Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes wird durch den absoluten Mangel am Hormon Insulin verursacht. Dieser Diabetestyp heißt deshalb auch insulinabhängiger Diabetes mellitus. Meistens beginnt die Erkrankung schon im Kindes- und Jugendalter, aber auch im fortgeschrittenen Alter kann sich Typ-1-Diabetes entwickeln.

Die Krankheit ist derzeit noch nicht heilbar, lässt sich aber gut mit Insulin behandeln. Allerdings müssen die Patienten das lebenslange Spritzen von Insulin in Kauf nehmen. Für jeden Diabetiker ist es wichtig, den Blutzucker optimal einzustellen. Nicht nur, um akute Entgleisungen des Stoffwechsels wie eine Untezuckerung  zu verhindern, sondern auch um diabetische Folgeerkrankungen zu vermeiden oder hinauszuzögern.

Symptome

Bei Typ-1-Diabetikern sind die Symptome viel stärker ausgeprägt als bei Typ-2-Diabetikern. Die Krankheit lässt sich anhand folgender Beschwerden erkennen:

  • Häufiges Wasserlassen (Polyurie): Bei einer erhöhten Zuckerkonzentration im Blut gelangt Zucker in den Harn. Um die Konzentrationsunterschiede auszugleichen, gelangt auch mehr Wasser in den Urin. Damit verliert der Körper zusätzlich größere Wassermengen.
  • Starker Durst durch den Wasserverlust;
  • Schwächegefühl und Leistungsminderung;
  • Gewichtsverlust – Wasserverlust und Fettabbau zur Energiegewinnung);

Etwa 25 Prozent der Patienten zeigen überhaupt keine Symptome. Erst die Entwicklung einer lebensgefährlichen Komplikation – der Ketoazidose – führt zur Diagnose Diabetes.

Diagnose

Bestätigen lässt sich die Diagnose zweifelsfei durch die Bestimmung des Blutzuckers . Der normale Nüchternblutzuckergehalt liegt gemäß den deutschen Leitlinien unter 100 mg/dl Blut. Bei Diabetikern sind die Blutzuckerwerte im nüchternen Zustand höher als 126 mg/dl. Der Grenzwert wird bei Typ 1 Diabetes so deutlich überschritten, dass die Krankheitsdiagnose häufig mit einem Test klar ist.

Auch die Konzentration des Zuckers im Urin sichert die Diagnose. Der Zucker wird mit dem Harn ausgeschieden, wenn eine bestimmte Zuckerkonzentration im Blut überschritten wird. Dieser Wert liegt bei etwa 180 mg/dl (Nierenschwelle). Mit Hilfe von Urin-Teststreifen lässt sich ein erhöhter Urinzucker nachweisen.

Antikörper bestimmen

Die Diagnose „Typ-1-Diabetes“ lässt sich durch die Bestimmung von Abwehrzellen (Antikörper) gegen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse absichern. In 90 Prozent der Fälle sind diese Antikörper im Blut nachweisbar. Bei Typ-1-Diabetikern finden sie sich oft schon Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit. Dann ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, innerhalb der nächsten fünf Jahre an Typ-1-Diabetes zu erkranken.

Nach der Diagnose Diabetes werden Augenhintergrund, Nieren- und Blutfettwerte, Nerven, Urin, Blutdruck und Füße kontrolliert. So lassen sich eventuelle Folgekrankheiten frühzeitig erkennen und behandeln.

Therapie

Ziel der Behandlung ist es, akute Komplikationen und Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Lebenserwartung und Lebensqualität zu verbessern. Der HbA1c-Zielbereich liegt unter 6,5 Prozent. Die Blutzuckerwerte vor den Mahlzeiten sollten zwischen 91 und 120 mg/dl und vor dem Schlafengehen zwischen 110 bis 135 mg/dl liegen. Es soll jedoch nicht nur der Diabetes, sondern auch Begleitkrankheiten wie Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Übergewicht sowie psychosoziale Probleme behandelt werden. Jeder Diabetiker sollte einen Gesundheits-Paß führen. Er informiert darüber, welche Untersuchungen in welchen Abständen durchgeführt werden sollen.

Lebenswichtiges Insulin
Typ-1-Diabetes ist zwar bislang nicht heilbar, lässt sich aber gut mit Insulin behandeln. Patienten müssen allerdings ein Leben lang Insulin spritzen, um den Mangel auszugleichen und den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Der wichtigste Apparat des Diabetikers ist deshalb ein Blutzuckermessgerät.

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten der Insulinbehandlung:

  • Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)
  • Insulinpumpentherapie (CSII)

Welche Art der Insulin-Behandlung in Frage kommt, hängt unter anderem von der Bereitschaft ab, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und an den Diabetiker-Schulungen teilzunehmen. Der Alltag, spezielle Ernährungsgewohnheiten oder sportliche Aktivitäten lassen sich durch solche Schulungen gut mit dem Diabetes in Einklang bringen.

ICT

Die ICT imitiert die Insulinausschüttung von Nicht-Diabetiker und funktioniert nach dem Basis-Bolus-Konzept. Man teilt die Insulingaben in den Grundbedarf (Basis) und zusätzliches Insulin für die Mahlzeiten (Bolus) ein. Dafür spritzen sich Diabetiker ein- bis dreimal täglich ein lang wirksames Insulin, um den Grundbedarf an Insulin zu decken. Vor jeder Mahlzeit wird der aktuelle Blutzuckerspiegel gemessen und die optimale Insulindosis aus dem Blutzuckerwert, der gewünschten Nahrungsmenge und der geplanten körperlicher Aktivität errechnet. Die benötigte Insulinmenge wird als kurz wirksames Insulin gespritzt. Die Insulindosis wird der Nahrungsmenge und der körperlichen Aktivität angepasst. Vorraussetzung für diese Therapie ist eine intensive Schulung.

CSII

Auch die CSII ahmt das Basis-Bolus-Konzept nach. Eine Pumpe sorgt dafür, dass kurz wirksames Insulin kontinuierlich über eine Nadel und einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) in das Fettgewebe unter die Haut gelangt. Die Pumpe hat etwa die Größe einer Zigarettenschachtel und wiegt rund 100 Gramm. Die Mengen an Insulin, die zur Deckung des Grundbedarfs notwendig sind (Basis), werden einprogrammiert. Der Diabetiker misst vor jeder Mahlzeit seinen aktuellen Blutzuckerspiegel und errechnet die optimale Insulindosis aus dem Blutzuckerwert, der gewünschten Nahrungsmenge und der geplanten körperlicher Aktivität. Per Knopfdruck wird die extra Dosis Insulin freigesetzt (Bolus). Auch bei der CSII kommen Diabetiker nicht um eine intensive Schulung herum.

Zellen transplantieren

Die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse lassen sich heute isolieren und transplantieren. Nach der Operation müssen die Patienten kein oder nur sehr wenig Insulin spritzen. Wie nach jeder Transplantation sind aber bestimmte Medikamente notwendig, die das Immunsystem schwächen. Der Körper würde die transplantierten Zellen sonst zerstören. Deshalb wird der Eingriff nur bei sehr wenigen Patienten durchgeführt.

Begleiterkrankungen behandeln

Folgende Richtwerte gelten für Begleiterkrankungen:

  • Der Blutdruck sollte unter 130/ 85 mmHg liegen.
  • Liegt eine Nierenerkrankung vor, sollte der Blutdruck unter 120/ 80 mmHg sein.
  • Das Gesamt-Cholesterin sollte unter 200 mg/dl liegen, bei Diabetikern mit Folgeerkrankungen bei unter 170 mg/dl.
  • Sie sollten nicht rauchen

Was Sie selbst tun können

Insulin ist derzeit das einzige Medikament für Typ-1-Diabetiker. Lernen Sie den richtigen Umgang mit dem Insulin und der Erkrankung. Eine optimale Einstellung des Blutzuckers heißt, die richtige Insulindosis zur richtigen Zeit wählen. Für den Alltag mit Diabetes gibt es einige Tipps:

  • Akzeptieren Sie Ihre Erkrankung. Lernen Sie, die Symptome für zu hohen oder niedrigen Blutzucker richtig zu deuten.
  • Nutzen Sie die Diabetikerberatung bei Ihrem Arzt oder einer Diabetes-Ambulanz. Sie werden dort intensiv auf eine selbstständige Blutzuckermessung und den Umgang mit Insulin vorbereitet.
  • Lernen Sie, sich das Insulin selbst unter die Haut zu injizieren. Für die Zukunft ist das lebensnotwendig.
  • Stecken Sie sich immer Zucker in die Tasche. Damit lässt sich eine Unterzuckerung durch eine zu hohe Insulindosis verhindern.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Arzt regelmäßige Kontrolltermine. Hier werden Blutzuckerspiegel, Nieren- und Blutfettwerte, Blutdruck, Urin und Ihre Füße kontrolliert. Falls Komplikationen oder Zuckerspätschäden auftreten, wird er zusätzliche Untersuchungen veranlassen oder Sie zu einem entsprechenden Spezialisten überweisen.
  • Gehen Sie regelmäßig mindestens einmal im Jahr zum Augenarzt, denn die Zuckerkrankheit kann auch die Augen schädigen.
  • Wenn Sie erkranken, beispielsweise an einer Grippe, kann es zu Komplikationen kommen. Suchen Sie in diesem Fall rechtzeitig ihren Arzt auf.