Schwangerschaftsdiabetes

Der Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes ist eine spezielle Form der Zuckerkrankheit, die sich während einer Schwangerschaft entwickeln kann. Meist tritt sie im letzten Schwangerschaftsdrittel auf und verschwindet unmittelbar nach der Geburt wieder.

Neun Prozent der Frauen, die während einer Schwangerschaft an dieser Form des Diabetes leiden, entwickeln in den folgenden Jahren Typ-2-Diabetes. Diese Form der Zuckerkrankheit betrifft meist übergewichtige Frauen sowie Schwangere, in deren Familien bereits einmal ein Typ-2- oder sogar Gestationsdiabetes aufgetreten ist.

Die Kranhkeit zählt zu den häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen. Gestationsdiabetes lässt sich bei etwa ein bis fünf Prozent aller Schwangeren nachweisen.

Ursachen

Schwangerschaftshormone und Hormone, die der Mutterkuchen (Plazenta) bildet, wirken unter anderem blutzuckererhöhend. Insulin ist dagegen das einzige blutzuckersenkende Hormon des Körpers. Die Schwangerschaft stört das Gleichgewicht zwischen blutzuckererhöhenden Hormonen und dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin. Die Bauchspeicheldrüse der Schwangeren muss also immer größere Mengen an Insulin produzieren.

Kann die Schwangere den erhöhten Bedarf an Insulin nicht durch eine verstärkte Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse ausgleichen, entwickelt sich der Gestationsdiabetes. Nach der Geburt nimmt der Insulinbedarf wieder ab und der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet.

Rund 80 Prozent aller Frauen, die einen Gestationsdiabetes entwickeln, leiden während einer zweiten Schwangerschaft erneut daran.

Symptome

Ein Schwangerschaftsdiabetes verläuft in den meisten Fällen ohne Beschwerden. Meist wird er zufällig im Rahmen von Suchtests entdeckt.

Ansonsten fällt die Erkrankung meist erst auf, wenn sich Folgeerscheinungen zeigen. Dazu zählen beispielsweise eine starke Zunahme der Fruchtwassermenge oder ein abnormales Größenwachstum des Kindes (fötale Makrosomie). Nur selten treten bei einer Schwangeren Symptome auf, wie sie bei Typ-1-Diabetes üblich sind.

Therapie

Ziel der Behandlung ist es, die Blutzuckerwerte vor und nach dem Essen zu normalisieren. Der Blutzucker sollte nüchtern unter 90 mg/dl und etwa zwei Stunden nach dem Essen unter 120 mg/dl liegen. Bei etwa 85 Prozent der Schwangeren ist die richtige Ernährung als Therapie ausreichend. Wer normalgewichtig ist, sollte im Lauf der Schwangerschaft nicht mehr als zwölf Kilogramm zunehmen.

Übergewichtige Frauen sollten möglichst wenig zunehmen, da Geburtskomplikationen bei starkem Übergewicht häufiger auftreten. Eine tägliche Energiemenge von 1500 bis 1800 Kalorien ist empfehlenswert. Vermeiden Sie aber unbedingt eine Gewichtsabnahme während der Schwangerschaft, denn dabei würde das Kind nicht mehr ausreichend versorgt. Verschieben Sie eine dauerhafte Gewichtsabnahme auf die Zeit nach der Geburt und Stillzeit. Die grundsätzlichen Empfehlungen für die Ernährung in der Schwangerschaft gelten auch für Schwangere mit Gestationsdiabetes:

  • Sie brauchen ausreichend Energie für sich und Ihr Kind, aber essen Sie nicht „für zwei“!
  • Essen Sie täglich Obst, Gemüse und frische Salate, denn Sie brauchen jetzt besonders viel Vitamine und Mineralstoffe.
  • Verwenden Sie wenig Fett für die Zubereitung Ihrer Speisen und als Brotaufstrich. Wählen Sie fettarme Lebensmittel aus. Essen Sie regelmäßig fettarme Milchprodukte, um ausreichend Calcium aufzunehmen.
  • Essen Sie weniger Fleisch und häufiger Fisch; damit sichern Sie den Jodbedarf ihres Körpers und den Ihres Kindes.
  • Sie brauchen ausreichend Flüssigkeit. Trinken Sie täglich mindestens zwei Liter Wasser, Tee oder andere energiearme Getränke.
  • Würzen heißt nicht salzen! Verwenden Sie reichlich Gewürze und frische Kräuter und salzen Sie sparsam mit Jodsalz.

Bei etwa 15 Prozent der Frauen ist zusätzlich eine Insulinbehandlung  erforderlich. Dabei reichen oft kleine Mengen eines schnell wirkenden Insulins vor den Hauptmahlzeiten. Manchmal wird zusätzlich vor dem Schlafengehen und eventuell morgens ein lang wirkendes Insulin gespritzt, das nahrungsunabhängigen (basalen) Insulinbedarf abdeckt und einen hohen Nüchternblutzucker verhindert. Zur Insulinsorte und Dosierung gibt Ihr Arzt Auskunft. Diabetesmedikamente in Tablettenform dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil sie zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen können.

Was Sie selbst tun können

  • Lernen Sie, Ihren Blutzucker selbst zu bestimmen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Ernähren Sie sich gesund.
  • Verteilen Sie die drei Hauptmahlzeiten auf sechs bis sieben kleinere Mahlzeiten über den Tag. Dadurch vermeiden Sie große Belastungen des Zuckerstoffwechsels.